News

Bergen-Belsen - Ort des Gedenkens

Bergen-Belsen -  Ort des Gedenkens

Am 13.06.16 starteten wir, die Klasse 10e mitsamt Frau Abendroth und Frau Deister, mit dem Bus zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen bei Celle. Nach einem stärkenden Zwischenstopp in einem Restaurant in Winsen kamen wir an der Gedenkstätte an und wurden zunächst durch einen 45-minütigen Vortrag unseres dortigen Betreuers in die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers eingeführt. Dabei ging es um die Entwicklung und den Aufbau des Lagers in der Zeit vor und während des Nationalsozialismus, sowie die Umwandlung in eine Gedenkstätte.
(Fotos am Ende des Artikels)

Danach stiegen wir mit unserem Begleiter wieder in den Bus und fuhren zur "Rampe", dem Bahnsteig, an dem die jeweiligen Lagerinsassen / Deportierten ankamen und aussteigen mussten. Von dort hatten sie noch zu Fuß eine Strecke von 6 km bis zum Lager zu laufen (die wir mit dem Bus fahren durften). An der Rampe steht auch heute wieder ein Güterwaggon, der betreten werden darf. Nachdem wir grauenvolle Informationen über die Zustände während der Deportationen erfahren hatten, erwähnte unser Begleiter, dass Boden und Fahrwerk des Waggons original sind und nur die Aufbauten erneuert wurden. In diesem Moment änderte sich unsere Stimmung schlagartig! Plötzlich waren wir im Grauen angekommen!

Viele Steine lagen auf Vorsprüngen und Kanten des Waggons. Wir erfuhren, dass es eine jüdische Tradition ist, um der Verstorbenen zu gedenken.

Zurück in der Gedenkstätte machten wir uns, mit Regenschirmen ausgerüstet, auf den Weg, das ehemalige Lagergelände zu erkunden. Wir liefen an Massengräbern vorbei. Mal liegen dort 2500, mal 1000 Leichen in diesen Gräbern. Diese sind mit Stein ummauert und an einer Seitenwand steht die Zahl der Toten eingemeißelt.

Dann kamen wir zu einem leeren Platz, an dem uns erzählt wurde, wo die früheren Baracken gestanden hatten und sich der berüchtigte "Block 10" befand. Ein Block, in dem die Menschen nicht einmal einen halben Quadratmeter Platz hatten, zum großen Teil sehr krank und geschwächt auf dem Boden übereinander liegen mussten und nicht mit Lebensmitteln versorgt wurden, was am Ende dazu führte, dass Kannibalismus auftrat.

Deutlich berührt gingen wir nun weiter zu einem Feld mit Grabsteinen, auf dem sich auch der Grabstein für Margot und Anne Frank (beide in Bergen-Belsen verstorben, Anne nur drei Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers). Allerdings findet man hier nicht die echten Leichname darunter, da die Grabsteine nur symbolisch dort aufgestellt wurden, um einen Ort der Erinnerung zu haben.

Auch der anschließende Besuch des Ausstellungsgebäudes der Gedenkstätte hinterließ tiefe Spuren. Wir sahen einen 25-minütigen Film (schwarz-weiß, ohne Ton), welcher jedem noch einmal vor Augen führte, was an diesem Ort geschehen war. Es waren Original-Filmaufnahmen eines britischen Kriegsberichterstatters, der die ersten drei Wochen nach Befreiung des Lagers festhielt. Wer sich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht hatte, der tat es spätestens jetzt! Für das dargestellte Grauen fehlen einem die Worte!

Auf der Rückfahrt war deshalb die Stimmung bei manchen von uns sehr gedrückt, einige schwiegen lange. Es war ein sehr emotionaler Ausflug, bei dem wir viel gesehen und gelernt haben und der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Allerdings ist er nichts für schwache Nerven.

Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bedanken bei dem Förderverein der OHR, der es uns erst durch seine großartige finanzielle Unterstützung ermöglichte, diese Gedenkstättenfahrt durchzuführen! Außerdem bedeutet diese Unterstützung eine große Wertschätzung der Fahrt, die von den Schülern der Klasse 10e selbst gewünscht wurde! Herzlichen Dank dafür!
(Jaqueline Wojda)

 

Eintrag vom: 04.07.2016