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Bilder und Augenzeugenberichte sollen wachrütteln

Bilder und Augenzeugenberichte sollen wachrütteln

SELM "Crash-Kurs" nennt die Polizei eine Informationsveranstaltung für Zehnt- und Elftklässler, die für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen soll. Sie hatte am Mittwoch in Selm Premiere: Fotos zerstörter Fahrzeuge. Worte von Menschen, die Opfern von Verkehrsunfällen nicht mehr helfen konnten.
Realschüler und Gymnasiasten erlebten die erste derartige Veranstaltung im Bürgerhaus. Sie werden diese Stunde wohl nie wieder vergessen. „Wir wollen euch wachrütteln“, sagte Matthias Heisig, Verkehrssicherheitsberater der Polizei. Und das taten die Beteiligten.

Helfer erzählen
Sie warfen Fotos an die Wand, kommentarlos, mit aktueller Musik unterlegt. Fotos von Unfällen: Zerstörte Autos, Ersthelfer bei der Arbeit, ein Helm im Vordergrund, Kerzen am Unfallort, die an die Opfer erinnern. Manchmal auch Zahlen: „Bilanz: 1 Toter (19 Jahre), 3 Schwerverletzte (20, 19, 17 Jahre). Bedrückend, schrecklich.
Räuspern im Publikum, Flüstern, ansonsten Stille. Dann: Augenzeugenberichte. Ein Polizist, ein Feuerwehrmann, ein Rettungsassistent und ein Notfallseelsorger erzählten von Erlebnissen, die sie nicht mehr losgelassen haben.

Olaf Schneider-Rothe ist Polizist. 47 Jahre alt, verheiratet, zwei Töchter (12 und 19). Er erzählt von einem Einsatz im Januar 2008: „Als wir eintrafen, habe ich nur gedacht ,Scheiße, das scheint doch schlimmer zu sein‘.“ Eines der Opfer, ein Mädchen, sei später gestorben, ein Jugendlicher heute ein Pflegefall. „Der Fahrzeugführer war 17 und hatte mit überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über das Auto verloren.“ Stille im Bürgerhaus. Hier und da ein Schniefen.

Überbringen von Todesnachrichten
Notfallseelsorger Willi Wohlfeil schildert die Reaktionen der Eltern von jungen Unfallopfern, denen er die Todesnachricht überbracht hat: „Tränen, Fassungslosigkeit. Sie schreien ,Warum gerade mein Kind?´.“ Und er selbst? „Ich weiß, dass ich solche Situationen nicht allein bewältigen kann.“ Deshalb hole er sich meistens noch Kollegen dazu. „Wir wissen, dass wenn wir wieder gehen, die Situation nicht mehr so sein wird, wie sie vorher war.“

Eindringlich appellierte er an die Jugendlichen: „Ihr könnt aussteigen, damit nicht auf einem der vielen Straßenkreuze auch eure Namen stehen. Fordert die Fahrer auf, langsam zu fahren. Schnallt euch an.“ Ob das wirkt? Bei Realschülerin Greta (16) bestimmt: „Ich habe nicht sehr darüber nachgedacht. Wir wussten, man würde uns Geschichten erzählen. Aber jetzt, oh mein Gott.“

Quelle: RuhrNachrichten.de - 09.10.2013 - Arndt Brede

Eintrag vom: 09.10.2013